RW-Szenarien auf dem Weg aus der Corona-Krise: zweites Update

RW-Szenarien auf dem Weg aus der Corona-Krise: zweites Update


Vor rund einem Monat haben wir eine Einschätzung veröffentlicht, wie sich die Corona-Pandemie auf den Automarkt bzw. die Gebrauchtwagen-Restwerte auswirken könnte. Der folgende Artikel bietet eine weitere Aktualisierung auf Basis der aktuellen Entwicklungen.

Auf dem Gebrauchtwagen-Markt zeigt sich seit Mitte Mai eine Erholung der Preise: Im Vergleich zum Preis-Niveau von Anfang Februar liegt der Preisindex wieder auf demselben Niveau. Nach Ende der Lockdown-Maßnahmen gab es also einen Nachholbedarf bei der Nachfrage, der noch ohne große zusätzliche Preisnachlässe bedient werden konnte.

„Insbesondere sehr junge Gebrauchte bis 6 Monate waren sehr gefragt und konnten beim Preis im Schnitt um 3,0% zulegen verglichen mit der Ausgangslage vor der Corona-Krise. Allerdings machen diese Fahrzeuge nur einen vergleichsweise kleinen Teil des gesamten Gebrauchtwagen-Geschäfts aus“, so Robert Madas, Valuation Insights Manager von Eurotax Österreich.

Abb. 1: Der Preis-Index zeigt die durchschnittliche Preis-Bewegung ausgehend von Anfang Februar. Der Wert ist bereinigt um die Fahrzeug-Alterung und um unterschiedliche Zusammensetzung des Angebots, d.h. der Preisindex zeigt die tatsächlichen Preis- Veränderungen gleicher Fahrzeuge aufgrund der direkten Veränderung der Nachfrage (stabiler Warenkorb).

Abb. 2: Der Preis-Index nach Fz.-Alter zeigt die durchschnittliche Preis-Bewegung der einzelnen Fz.-Altersgruppen ausgehend von Anfang Februar. Der Wert ist bereinigt um die Fahrzeug-Alterung und um unterschiedliche Zusammensetzung des Angebots, d.h. der Preisindex zeigt die tatsächlichen Preis- Veränderungen gleicher Fahrzeuge aufgrund der direkten Veränderung der Nachfrage (stabiler Warenkorb).

Update der Szenarien für den Weg aus der Krise

Um die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf die Automobilindustrie einzuschätzen, hat Eurotax fünf mögliche Szenarien zur wirtschaftlichen Erholung im Hinblick auf deren Wahrscheinlichkeit untersucht und aktualisiert:

Tabelle 1: Die Szenarien basieren auf folgenden fünf Parametern: Dauer der Pandemie; Wirtschaftliche Aussichten für 2020-2022; Probleme bei der Neuwagenproduktion; Entwicklung der privaten Nachfrage; Wirksamkeit der fiskal- und geldpolitischen Maßnahmen.

„Auf Basis der aktuellen Marktsituation ist aus unserer Sicht nach wie vor die Wahrscheinlichkeit für eine ‘langsame, U-förmige Erholung’, mit 60% am höchsten“, so Robert Madas. „Die Gefahr einer tiefen Rezession und noch langsameren Erholung ist im Vergleich zur vorigen Einschätzung etwas kleiner geworden und wird von uns nur noch mit einer Wahrscheinlichkeit von 20% beziffert – ebenso wie eine mittelmäßig schnelle V-förmige Erholung.“

In Bezug auf die Restwert-Entwicklung wird die weitere Entwicklung der Nachfrage entscheidend sein. „Trotz der aktuellen Erholung des Preisniveaus erwarten wir in diesem Jahr bis Dezember noch einen Wertverlust in einem Ausmaß von rund minus 3% gegenüber Anfang März“, so Robert Madas weiter, „mittelfristig ist dann von einer langsamen Erholung der Restwerte auszugehen.“ Die folgende Grafik zeigt den erwarteten Verlauf der Restwert-Entwicklung.

Abb. 3: Erwartete Entwicklung der Gebrauchtwagen-Restwerte im Vergleich zu Anfang März 2020 (indexiert): bis Dezember 2020 (-3,2%), bis Dezember 2021 (-2,6%), bis Dezember 2022 (-2,3%)

Sowohl die Szenarien als auch die Einschätzung der Restwert-Entwicklung werden auf Basis der aktuellen Marktbeobachtung in den kommenden Wochen und Monaten regelmäßig aktualisiert.

Hinweis

Eine Einschätzung für 18 Märkte Europas findet sich im regelmäßig aktualisierten Autovista Group Whitepaper.


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