Der Diesel unter Druck

Der Diesel unter Druck


Groß ist die Verunsicherung bei Autofahrern, die in naher Zukunft eine Fahrzeuganschaffung planen: Soll es wieder ein Diesel sein? Könnte es vielleicht ein Hybrid-Modell werden? Oder doch ein Benziner? Passt mein Nutzungsprofil zu einem Elektrofahrzeug? Ja, und was bekomme ich eigentlich jetzt noch für meinen alten Diesel-PKW?

Für alle älteren Dieselmodelle bieten die Importeure seit ca. 2 Wochen Verschrottungsprämien, Umweltprämien, Finanzierungsboni, Zukunftsboni usw. im Gesamtwert von bis zu € 10.000,–. Auch hier verliert man schnell die Übersicht. Jeder Importeur hat so seine eigenen Bedingungen festgelegt. Und so mancher Kunde hofft vielleicht noch zusätzlich auf eine staatliche Verschrottungsprämie – womit aber in Wahlkampfzeiten nicht zu rechnen ist.

In Österreich lag der Dieselanteil in den letzten 5 Jahren konstant bei knapp 60%. Auch wenn im August mit 12.853 Fahrzeugen die meisten neuzugelassenen PKW noch mit Diesel betrieben werden, sinkt der Dieselanteil in den Statistiken von Monat zu Monat. Aktuell wurden nur noch 49,3% Diesel-PKW registriert. 45,8% waren Benziner. Merklich im Steigen sind in den letzten beiden Jahren PKW mit Elektro-Antrieb bzw. die Hybrid-Varianten, wenn auch immer noch im niedrigen einstelligen Bereich. Offensive Förderprogramme ab 2017 und gezielte Produktkommunikation seitens der Hersteller haben diesen Trend begünstigt und Österreich befindet sich nunmehr im Spitzenfeld bei alternativen Antrieben.

All das wirkt sich naturgemäß auf die Restwerte am Markt aus. Aktuell sind in Österreich etwa 2,4 – 2,5 Mio. Diesel-PKW mit EURO5 oder älter angemeldet. Etwa 1% dieser Fahrzeuge stehen derzeit beim österreichischen Fahrzeughandel am Hof und warten auf einen Käufer.

Wir beobachten in den aktuellen Fahrzeugangeboten einen leichten Wertrückgang, stetig steigende Standzeiten beim Handel, sowie im August eine merkliche Kaufzurückhaltung bei den Gebrauchtwagen woraus sich eine steigende Marktmengenentwicklung – im speziellen bei Fahrzeugen mit einem Alter von 10-24 Monaten – ergibt. Es können also nicht mehr so viele Dieselfahrzeuge abverkauft werden, wie auf den Gebrauchtwagenmarkt strömen. Gut für diejenigen Gebrauchtwagenkäufer, die sich für einen Diesel entscheiden werden, denn am Markt wird man derzeit fündig.

So zeigen unsere Eurotax-Marktanalysen, einen Wertrückgang bei den Diesel-Angebotskursen von 57,2% im August 2016 auf 53,9% im August 2017 bei einem Fahrzeugalter von jeweils 36 Monaten. Auffällig ist der 3%ige Wertrückgang in den Angebotskursen seit Juni 2017. Der echte Wertrückgang liegt vermutlich noch ein wenig tiefer und zwar im Bereich von rund 1-2 Prozentpunkten je nach Segment. Das Bild wird durch neue Modelle, die erstmals das Alter von 36 Monaten erreichen, etwas verzerrt.

 

 

Die Restwerte der Benzin-PKW konnten hingegen im 12-Monats-Vergleich um ca. 1% zulegen. Ähnliche Trends gelten auch für die jüngeren, 1- und 2-jährigen, Gebrauchtwagen. Ältere Dieselfahrzeuge sind derzeit noch stabil in den Angebots- und Verkaufskursen. Analog dazu reagieren natürlich auch die Verkaufskurse und Notierungsrestwerte.

Lagen die Standzeiten (durchschnittliche Angebotsdauer beim österr. Fahrzeughandel bis zum Wiederverkauf) im Vorjahr konstant bei rund 70 Tagen, steigen die Standtage bei Diesel-PKW seit Jahresanfang von Monat zu Monat auf derzeit 77 Tage. Benziner stiegen etwas moderater auf 73 Tage im August an.

 

 

In unseren Statistiken sind die steigenden Standzeiten in allen Segmenten sichtbar. Auffällig stark steigen die Standtage bei Diesel-PKW in den kleinen Segmenten A, B, b, C, c. In diesen klassischen Benzin-Segmenten ist die Kaufzurückhaltung beim Dieselantrieb in den letzten Monaten überdurchschnittlich stark. Selbst bei den sonst so erfolgsverwöhnten kleinen und mittleren SUV steigt die Verweildauer am GW-Platz. Die Standtage stiegen von 68 Tagen im August 2016 auf aktuell 83 Tage.

Aktuell sieht sich der Markt zusätzlich Eintauschprämien mit Umwelt- oder Zukunftsanstrich gegenüber. Sollten diese Eintauschprämien im Abtausch gegen Verschrottung des alten Dieselfahrzeugs, viele klassische Gebrauchtwagenkäufer dazu motivieren, anstatt eines traditionell beliebten Gebrauchten im Alter von rund 3 Jahren tatsächlich zum Neuwagen zu greifen, sind Auswirkungen auf die Werte sehr wahrscheinlich. Die Gebrauchtwagen kommen weiter auf den Markt, da die ja bereits vor 3 Jahren zugelassen wurden und die oftmals Flottenfahrzeuge werden weiterhin plangemäß zurückgegeben und kommen auf den Gebrauchtwagenmarkt. Ausnahme sind Fahrzeuge, die exportiert werden. Allerdings stellt sich die Frage wohin, da ganz Europa von der Diskussion um den Diesel betroffen ist und außerhalb Europas der Diesel zumindest bis jetzt nur sehr mäßig attraktiv war.

Die Prämien zielen also genau auf jene Personen ab, die in der Vergangenheit einen dieser Gebrauchten gekauft haben, und je erfolgreicher die Kampagnen sind, desto mehr in etwa 3-jährig Gebrauchte bleiben vermutlich stehen, weil sie keinen Käufer finden. Auch auf jüngere Gebrauchte wird dies einen Einfluss haben, denn die Neuwagen sinken im Preis, die Flotten- und Leasingrückläufer (in etwa 3 Jahre alt und zumeist Diesel) ebenfalls und somit befinden sich die jungen Gebrauchten – egal ob Tageszulassung oder Jahreswagen – im Sandwich und bekommen Preisdruck von beiden Seiten. Die Folge sind Preiskorrekturen nach unten und fallende Restwerte. Nachdem die Umwelt- und Zukunftsprämien zeitlich begrenzt sind, werden die Auswirkungen allerdings nur einen temporären Effekt auf die Restwerte haben, also eine Delle verursachen. Schwierig ist immer die Psychologie. Rabatte werden, einmal angeboten, von den Käufern gelernt und auch weiterhin eingefordert. Die Gefahr besteht also, dass von der Delle mehr übrig bleibt als gewünscht. Nur schwer vorzustellen ist im Falle eines Erfolgs dieser Prämien ein Jahresendspurt mit vielen Tageszulassungen, weil die Rabattreservoirs vermutlich bereits leer sein werden und Verkaufsziele weitestgehend erreicht sind.

Auch längerfristig, wenn die aktuell auf der IAA präsentierten Elektro- und Hybridfahrzeuge tatsächlich in größeren Mengen auf den Markt kommen, werden die Restwerte von PKW mit Verbrennungsmotoren weiter unter Druck geraten.

 


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