Die CO2-Ziele im Corona-Jahr

Die CO2-Ziele im Corona-Jahr


Während das durch die Corona-Pandemie geprägte Jahr 2020 dem Ende zugeht, müssen sich einige Autohersteller auf Strafzahlungen einstellen, da sie die von der EU vorgegebenen strengen CO2-Ziele in diesem Jahr nicht einhalten können.

Es wird also ernst: Bereits heuer müssen Autohersteller in der EU im Schnitt einen Grenzwert von 95 Gramm ausgestoßenem Kohlendioxid pro Kilometer ihrer neu verkauften Fahrzeuge einhalten. Andernfalls ist eine Strafzahlung von 95 Euro pro Zulassung und Gramm Zielwertüberschreitung zu zahlen. Das kann sich bei großen Volumens-Marken wie VW oder Ford EU-weit schnell auf Milliarden-Beträge summieren.

Wie stellt sich die Situation auf dem heimischen Markt dar, nachdem alternative Antriebe bei den Neuzulassungen in den vergangenen Monaten sowohl anteilsmäßig als auch in absoluten Zahlen deutlich zulegen konnten?

Tatsächlich zeichnet sich in Österreich erstmals seit 2016 wieder ein deutlicher Rückgang der durchschnittlichen CO2-Werte pro neu zugelassenem PKW ab: Lag der durchschnittliche Ausstoß vor vier Jahren noch bei 120g/km (nach NEFZ), so ist dieser im Vorjahr auf 122g/km geklettert. Für dieses Jahr zeigen die vorläufigen Ergebnisse bis inkl. November einen deutlichen Rückgang auf 113g/km pro neu verkauftem PKW (siehe Grafik unten).

Eine nähere Analyse zeigt, dass der Rückgang bei gewerblichen PKW-Zulassungen besonders ausgeprägt ist: Traditionell war der durchschnittliche Ausstoß höher als bei privaten Zulassungen, heuer liegt der CO2-Wert mit 112g/km relativ deutlich unter jenem der privaten Neuzulassungen mit 115g/km (siehe Grafik unten).

Es bleibt aber noch abzuwarten, wie viele der im letzten Quartal zugelassenen alternativ angetriebenen PKW sich als Kurzzulassungen entpuppen und sich in den nächsten Monaten auf dem Gebrauchtwagenmarkt wiederfinden. Zwar sind sowohl private als auch gewerbliche Neuzulassungen noch deutlich vom EU-Zielwert für 2020 von 95g/km entfernt, der Trend ist aber eindeutig und wird sich in den kommenden Jahren – auch aufgrund der Vorgaben der Politik – weiter verstärken.

„Die Zahl der Neuzulassungen ist durch die Corona-Krise bisher um insgesamt rund 80.000 Stück eingebrochen, elektrifizierte Antriebe haben aber deutlich zugelegt“, fasst Robert Madas, Head of Valuations bei Eurotax Österreich, die Entwicklung zusammen. „Diese Veränderung bei den Treibstoff-Anteilen unterstützt die ambitionierten CO2-Ziele, auch wenn die kommenden Jahre aufgrund der schärferen Regeln noch schwieriger werden.“

Elektrifizierte Antriebe (inkl. Mild-Hybrid) konnten heuer bis November im schrumpfenden Markt rund 18% Marktanteil erobern, nach rund 6,5% im Vorjahreszeitraum. Die Stückzahlen sind bei den gewerblichen Zulassungen nach wie vor deutlich größer: bis November wurden 25.284 elektrifizierte PKW zugelassen, gegenüber 14.960 im privaten Bereich. Bemerkenswert ist, dass reine Stromer als auch Diesel-Hybrid Fahrzeuge bei privaten Zulassungen stärker gewachsen sind als bei gewerblichen Zulassungen (siehe folgende Grafiken).


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