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11.11.2014

Die ersten drei Quartale eines schwierigen Jahres für die Automobilbranche sind nun vorbei.

Ein vielversprechender Start, zumindest was die Verkaufszahlen betrifft, wurde von einem Rückgang ab März abgelöst. Thematisch war auch der Start turbulent, war doch der Jahresanfang stark vom Tauziehen in welcher Art und Weise die neue NoVA nun letztendlich eingeführt wird bestimmt.
Als die neue NoVA kam ging es auch mit den Registrierungen zurück. Es liegt der Schluss jedoch nahe, dass durch die Diskussion das Thema Autokauf verstärkt auf der Agenda der Kunden stand. Und zwar egal ob dies ein Neukauf oder ein Gebrauchtkauf war. Das Hin und Her und die Unsicherheit wie die NoVA letztendlich aussehen wird und ob es zu Vergünstigung oder zur Verteuerung kommen wird, war Katalysator für vorgezogene Käufe im Neu- und Gebrauchtwagenbereich.

Die wirtschaftliche Situation ist immer noch angespannt. Österreichs Wirtschaft hat ein Nullwachstum und das verfügbare Einkommen stagniert. Ein unfreundliches Klima. Die Sparquote der Österreicher (also der Prozentteil vom Nettojahreseinkommen, den Herrn und Frau Österreicher inkl. betrieblicher Versorgungsleistungen zur Seite legen können) sinkt im ersten Quartal 2014 noch einmal auf 6,1%. Mit einem Satz gesagt hat sich die wirtschaftliche Situation der Österreichischen Haushalte 2014 nicht unbedingt zum Besseren verändert.

Am Ende des dritten Quartals steht die Branche bei den Neuzulassungen auf -4,33% verglichen zum Vergleichszeitpunkt des Vorjahrs. Die Prognose liegt weiterhin bei rund 305.000 neu zugelassenen PKW.

Die Wagen der unteren Mittelklasse weisen den höchsten Marktanteil (22,08%) auf. Obwohl sie neu zugelassene Stück verloren haben steigt der Marktanteil leicht an. Der Gewinner 2014 sind bisher die großen Geländewagen, die 13,5% Neuzulassungen zulegen können und sich damit stückmäßig deutlich verbessern. Der Marktanteil der großen Geländewagen legt in den ersten drei Quartalen um 18,6% zu liegt nun bei knapp über 4%. Die in den letzten Jahren boomenden kleinen und mittleren Geländewagen stagnieren im Jahr 2014 auf einem hohen Niveau. Beinahe jeder fünfte neu zugelassene PKW ist derzeit ein mittlerer oder kleiner Geländewagen.

Ein weiterer Trend der sich bei den Neuzulassungen weiter abzeichnet ist das Ansteigen der betrieblichen Zulassungen. Zieht man die Kurzzulassungen und Mietwagen als kurzfristige Vertriebsmaßnahmen ab, so bleibt dennoch ein Wachstum übrig. Zwar ist der reine Privatmarkt immer noch größer als der reine Flottenmarkt (ohne Kurzzulassungen und  Mietwagen), aber erster ist rückläufig und zweiterer ansteigend.

Äußerst positiv im Vergleich zum Vorjahr haben sich vor allem Opel (+8,39%) Peugeot (+7,39%) und BMW (+5,07%) entwickelt. Generell ist zu sagen, dass Frankreich als Erzeugerland 2014 generell besser abschneidet als andere Länder. Renault liegt zwar im Minus, aber mit 0,38% deutlich weniger als der Gesamtmarkt. Und neben Peugeot liegt auch die Schwesternmarke des PSA Konzerns, nämlich Citroen mit 1,08% im Plus und outperformt somit den Markt deutlich.

Doch auch wenn Frankreich 2014 auf dem Vormarsch befindlich ist, ändert das wenig an der deutschen Dominanz am Automobilmarkt. 6 der Top 10 Marken kommen aus Deutschland (wenn man Ford hier mit einrechnet) und zwei weitere haben die Konzernmutter ebendort. Die Dominanz der Top Marken ist noch einmal gestiegen. Während 2013 nach 3 Quartalen 68% der  Neuanmeldungen den Top 10 Marken zuzurechnen war, sind dies im Vergleichszeitraum 2014 69,7%. Der Anteil der deutschen Marken an den Top 10 beträgt 66,02% und damit nur unwesentlich weniger als das 2013 mit 65,61% der Fall war.

Der Gebrauchtwagenmarkt hat 2014 ebenfalls verloren. Mit Ende des dritten Quartals stehen wir bei -1,72% und 620.558 umgemeldeten PKW. Die Prognose liegt bei 805.000 bis 810.000 GW Ummeldungen für 2014. Geländewagen sind der Renner am österreichischen Gebrauchtwagenmarkt. Besonders die mittleren und kleinen Geländewagen konnten um satte 13,7% zulegen und damit Ihren Marktanteil um 15,7% auf 6,24% steigern. Damit liegen sie fast auf dem doppelten Niveau ihrer großen ?Brüder?. Die großen Geländewagen konnten den Marktanteil bei den Gebrauchtwagenummeldungen mit einem Gesamtzuwachs von 5,4% ebenfalls um 7,2% auf 3,53% steigern.

Die Dominanz der deutschen Marken ist am Gebrauchtwagenmarkt noch deutlicher als am Neuzulassungsmarkt. Die ersten 6 Marken nach Marktanteilen kommen aus Deutschland (Ford wieder mit eingerechnet). Die Anteile bleiben aber relativ stabil mit Verschiebungen im Zehntelprozent Bereich. Innerhalb der Top10 steuern die Deutschen Automobilbauer knapp über drei Viertel aller Gebrauchtummeldungen bei.
Dennoch kommt die Marke mit den größten Zuwächsen nicht aus Deutschland sondern aus Korea. Hyundai verzeichnet einen Anstieg im Volumen um 15,02% und hält bei 12380 Gebrauchtwagenummeldungen. Damit erreichen die Südkoreaner einen Marktanteil von 1,99%, 17,03% mehr als im Vergleichszeitraum 2013. Klar positiv kann auch Seat am Gebrauchtwagenmarkt 2014 bilanzieren. 4,43% Wachstum und eine Steigerung des Marktanteils um 6,25% auf 3,43%. Damit überholt Hyundai Fiat und schließt fast zu Mazda auf, die einen Marktanteil von 3,44% aufweisen.

Der Händlermarkt bei Gebrauchtwagen ist im europäischen Vergleich wenig dynamisch. Viele Gebrauchtwagenhändler betreiben nur sehr bedingt aktives Gebrauchtwagenmanagement. Damit ist ein aktives Gestalten des Angebotspreises gemeint, und damit ein Attraktiveren des vorhandenen Angebots um schneller zu verkaufen. Während manche Händlergruppen unseren Analysen zu Folge im Durchschnitt den Gebrauchtwagenpreis öfter als 3 mal pro Fahrzeug ändern, liegt der Durchschnitt im Gesamtmarkt derzeit bei 0,61 Preisänderungen pro Fahrzeug. Also ein vergleichsweise passives Gebrauchtwagenmanagement. Blickt man in andere europäischen Märkte so ist diese Kennzahl sehr niedrig. In Märkten wie Groß Britannien, wo das Preismanagement bei Gebrauchtwagen sehr emsig betrieben wird, liegen die durchschnittlichen Verkaufszeiten deutlich unter denen von Österreich. Für den einzelnen Händler bedeutet das geringere Kosten durch Standzeiten und Finanzierungen und damit verbunden die Chance auf einen (größeren) Gewinn.